Logopädie

"Logos" bedeutet im Altgriechischen "Sprechen" und "paideuin" lässt sich mit "Erziehen" übersetzen. Wörtlich also "Sprecherziehung".

 

In der heutigen Zeit versteht man darunter die Prävention, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Sprache, der Stimme, des Schluckens und des Sprechens im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter.

 

Die logopädische Behandlung erfolgt auf Verordnung eines Arztes und wird von den gesetzlichen bzw. privaten Krankenkassen bezahlt.

 

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die einzelnen Störungsbilder geben, die natürlich nicht einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben:

Kindesalter

1. Sprachstörungen

  • Sprachentwicklungsverzögerung (SEV): Sprachliche Entwicklungsverzögerung, welche die Wortschatzentwicklung, das Sprachverständnis und/ oder die Grammatik umfassen, oft auch in Verbindung mit Lautfehlbildungen
  • Sprachentwicklungstörung (SES): Lern- und Verarbeitungsstörungen, die in der Folge eine gestörte Sprachentwicklung nach sich ziehen
  • Spracherwerbsstörung (SES): Auffälligkeit der kommunikativ- interaktiven Fähigkeiten verbunden mit verzögertem Sprachbeginn und oft eingeschränktem Sprachverständnis
  • Sprachentwicklungsbehinderung (SEB): Folge unterschiedlicher frühkindlicher Schädigung des zentralen Nervensystems vor Abschluss der Sprachentwicklung

2. Sprechstörungen 

  • Störung der Aussprache (Dyslalie): Fehlerhafte Artikulation von Wörtern, z.B. Kraktor statt Traktor
  • Störung des Redeflusses: Schnelle oder hastige Sprechweise, Verharren in einer bestimmten Artikulationseinstellung, Stottern

3. Störungen der Nahrungsaufnahme und des Schluckens

  • Verzögerung der Sprechentwicklung durch Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte, Vergrößerung der Zunge oder andere organische Fehlbildungen
  • Infantiles Schluckmuster: Fehlfunktion der Zunge (Z.B. Druck gegen die Schneidezähne) oft kombiniert mit einer Schluckstörung; In Zusammenhang damit lässt sich oft ein vorverlagerter Würgereflex und unphysiologische Kaubewegungen beobachten, welche den Saug- und Schluckprozess negativ beeinflussen.

4. Störungen der Stimme

  • Stimmlippenknötchen/ Schreiknötchen: raue, heisere Stimmgebung durch zu lautes Sprechen bzw. Schreien

 

Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen können ebenfalls durch ein vermindertes Hörvermögen ausgelöst werden!

Jugendliche & Erwachsene

1. Störungen der Sprache

  • Aphasie: Störung der Sprachproduktion, des Sprachverständnisses und der Wortfindung, die sich nicht nur auf die Lautsprache beziehen können, sondern auch auf das Lesen, Schreiben und Rechnen. Ursache dafür können z.B. hirnorganische Schädigungen, ausgelöst durch Schlaganfall oder Unfall sein.

2. Störungen des Sprechens:

  • Dysarthie: Verwaschene undeutliche Aussprache oft durch Lähmungen der Aritkulationsmuskulatur bedingt. Diese kann durch Erkrankungen wie z.B. das Parkinson- Syndrom, oder einen Schlaganfall ausgelöst werden

3. Störungen der Stimme:

  • Organische Stimmerkrankungen (organische Dysphonie): Hervorgerufen durch Lähmung der Stimmbänder (bei Operationen der Schilddrüse), Fehlbildungen des Kehlkopfes, Entfernung des Kehlkopfes (bei Kehlkopfkrebs), Verletzungen des Kehlkopfes (Unfälle), Entzündungen des Kehlkopfes
  • Funktionelle Stimmerkrankungen (funktionelle Dysphonie): Verursacht durch psychosomatische Faktoren (Stress, seelische Belastung), Fehlbelastung der Stimme (Sprechen bei Lärm, Berufssprecher) stimmliche "Fehl"gewohnheiten sowie bei schweren Allgemeinerkrankungen
  • Hormonelle Stimmerkrankungen: Erkrankung der Stimme, ausgelöst durch hormonelle Prozesse während der Pubertät und der Wechseljahre- aber auch bei hormonellen Grunderkrankungen                                                                                                        Der Stimmbruch bei jugendlichen Männern ist jedoch keine Stimmerkrankung, sondern ein völlig normaler Prozess.

4. Störungen des Schluckens

  • Schluckstörung (Dysphagie): Ausgelöst durch Lähmungserscheinungen der Muskulatur im Mundbereich, z.B. der Zunge, Lippen, Kaumuskulatur, Gaumen, oder Tumoren, Tumoroperationen bzw. Bestrahlung.

5. Störungen der Kommunikationsfähigkeit bei Demenz